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Dienstag, 27. Februar 2007

Tafeln mit den Neurologen

Ja, es gibt es noch, das Krankenhaus, meine Arbeitsstelle. Doch meistens sind andere Dinge interessanter zu berichten.
Hier aber ein Bild vom Abschiedsessen, das die Neurologen netterweise für mich organisiert hatten: Shabu Shabu mit haufenweise Sidedishes. Sogar die beiden Schwestern und die Sekretärin waren dabei (letztere hat sich aber leider nicht aufs Bild getraut).
Hanna und ich verbringen beide die letzten Wochen noch in der Neurochirurgie - nicht schlecht bisher, aber irgendwie ist die Luft schon ein wenig raus und wir freuen uns darauf, bald für ein paar Tage durchs Land zu reisen.

Ja, meine Leser (ich weiß, dass ihr da seid, auch wenn ihr keine Kommentare hinterlasst), in zwei Wochen schon wird es wohl weniger von mir zu lesen geben. Aber ich bemühe mich ja zur Zeit schon, die vielen Themen, die mir schon länger durch den Kopf gehen, wie auch die alltäglichen Dinge etwas häufiger zu posten als zu Anfang.

Wüstenstaub

Seit es wieder wärmer geworden ist, hängt gelblicher Smog über dem Land. Nicht nur über Seoul, über ganz Korea, China und Japan. Es ist Wüstenstaub aus der Gobi, der über die Mongolei und China bis nach Korea kommt. Gerade wenn es wolkenlos ist, wird das Ausmaß besonders deutlich. Wie heute morgen beim Blick aus dem 9. Stockwerk des Krankenhauses. Sogar das Gebäude gegenüber war schon nicht mehr ganz scharf, andere Gebäude verschwammen im gelben Dunst, die Berge in der Ferne waren natürlich gar nicht mehr zu sehen, die Sonne kommt nicht durch.
It´s Asian Dust - check it out on Wikipedia!
Immerhin wird es nachmittags und abends etwas besser. Der Sonnenuntergang hinter den Appartementgebäuden beim Joggen war ganz wunderbar.

Montag, 29. Januar 2007

Kantinenessen
















Auf den ersten Blick ein typisches Kantinenessen. Das Essen lieblos auf das weiße, irgendwie steril anmutende Tablett geklatscht, optisch vielleicht nicht wirklich ansprechend.

Auf den zweiten Blick ist alles doch ganz anders.

Zuerst einmal die Stäbchen. Aus Metall. Die Koreaner denken an die Umwelt, trennen den Müll und holzen nicht Chinas Wälder für Stäbchen ab. Wie die Japaner. Ausserdem viel gesünder. Kein chemisch gebleichtes Holz. Die Koreander achten auf die Gesundheit ("It´s good for your health" ist ein allseits beliebter Spruch).
Bei der ersten Handhabung der Metallstäbchen empfiehlt es sich, zu Hause schon einmal mit der Holzvariante geübt zu haben. Sie liegen viel schwerer in der Hand und drohen - zumindest am Anfang - das ein oder andere Mal zu entgleiten.
Der Löffel ist nicht nur für die Suppe da, sondern auch für den Reis. Nur in Korea wird Reis nicht nur von Touristen mit dem Löffel gegessen.
Unten links die Basis für´s Essen: Klebreis. Morgens, mittags und abends. Ich mag ihn besonders wegen seiner Konsistenz: klebrig aber nicht pappig. Den Reis gibt es zwar auch in anderen Zubereitungsarten, bzw. mit Beigaben, aber den klassischen gibt es am häufigsten, in der Kantine immer. Je größer der Hunger, desto mehr Reis aufladen. Self-service.
Unten rechts die alltägliche Suppe. Aber nicht jeden Tag die gleiche. Meistens finden sich Tofu-Bestandteile und Algen. Manchmal scharf, immer würzig, fast immer gut. Ok, auch nichts für den Mitesser das Auge. Aber ich bin ein großer Freund der mittäglichen Suppe und weiß jetzt schon, dass ich sie sehr vermissen werde.
Oben links das obligatorische Kimchi. Wie schon erwähnt auch ein essentieller Bestandteil jedes koreanischen Essens. Kimchi gibt es in unzähligen Varianten und sogar im Krankenhaus wird hin und wieder abgewechselt. Mein Favorit ist das Kimchi, das in kleinen "cubes", Würfeln daherkommt. Da läuft man auch nicht Gefahr, mit zu großen Kohlblättern konfrontiert zu werden und plötzlich den Mund mehr als voll zu haben, denn ein Messer ist ja nicht vorgesehen. Das Kimchi steht übrigens auf dem Tisch und jeder nimmt sich nach Bedarf. Nichts muss, alles geht.
Mittig eine täglich wechselnde Beilage. Heute Schweinefleisch mit Chilischoten an äußerst schmackhafter Sauce. Ein Klassiker ist Fisch, der in quadratischen Stücken noch komplett mit Haut und Gräten auf das Tablett wandert. Immer noch eine Herausforderung, ihn mit Stäbchen zu zerlegen. Eine noch größere, das auch optisch einwandfrei zu tun. (Ja, die Optik ist in Korea mehr als ein nur ein Thema.)
Oben rechts eine Art Salat aus - ach keine Ahnung - irgendein Gemüse war es eben. Hatte mir wenig genommen, weil er beim letzten Mal einen fiesen, weil zu fischigen, Abgang hatte. Aber diesmal nichts zu beanstanden.
Natürlich wiederholt sich das Essen irgendwann, aber dennoch würde ich die Kantine jederzeit mit nach Deutschland nehmen. Keine Auswahl, dafür "good for your health". Wenn Deutschland einmal am Tag so essen würde, gäbe es sicher einige Probleme weniger. Einmal reicht, man muss ja nicht übertreiben...
Ich weiß leider nicht, was das Kantinenessen kostet, denn wir haben Essensmarken bekommen.
Wenn jemand probieren will - ich habe noch Marken über, denn es sind drei für jeden Tag vorgesehen.

"Glücklich der Mensch, der sich liegend den satten Bauch streichelt."
Koreanisches Sprichwort

Dienstag, 19. Dezember 2006

Und wie ist es eigentlich im Krankenhaus?

Bilder gibt´s noch keine vom Krankenhaus, deshalb habe ich noch nichts darüber geschrieben.
Hm, ich bin noch unentschieden. Mir war ja schon vorher klar, dass das hier nicht unbedingt ein Spaziergang in Sachen PJ werden würde. Nun, die Ärzte und Schwestern sind sehr nett und bemüht, das Krankenhaus hat (vielleicht sogar mehr als) den gewohnten Standard, ABER: von den Patienten spricht keiner auch nur ein Wort Englisch (naja, vielleicht zwei), bei den Ärzten sieht es nicht viel besser aus. Ich werde zwar soweit es geht miteinbezogen, aber da sind die Grenzen eben schnell erreicht. Und obwohl die Koreaner ja wie erwähnt nicht schwitzen, hat der krampfhafte Versuch, manche Sache auf Englisch auszudrücken schon bei manchem Arzt einen Schweißausbruch verursacht. Theoretisch sind alle hier sehr fit in "medical english", da fast alle medizinischen Bücher auf englisch sind. Aber es ist eben eine Sache, nur zu lesen und eine andere, auch zu sprechen. In der Aussprache liegt nämlich ein nicht minderes Problem. Manchmal hilft eben nur aufschreiben, was auf Dauer einfach etwas mühsam ist.
So bin ich jeden Tag mit einem anderen Oberarzt oder Professor auf der "round" (Visite), der jeweils nur Patienten aus seinem Fachgebiet betreut. Ihm sind dann ein oder zwei "residents" (Assistenten) zugeteilt, die je nach Ausbildungsjahr verschiedene Aufgaben haben.
Für die Ärzte hat es den Vorteil, dass sie sich nur an einem Tag pro Woche richtig auf mich, bzw. die Sprache konzentrieren müssen, für mich hat es den Vorteil, dass ich viele verschiedene Krankheitsbilder sehe und von jedem dann exklusiv bestimmte Dinge gezeigt bekomme wie EEG, EMG oder das Schlaflabor. Hausaufgaben gibts auch fast jeden Tag, sodass es mir garantiert nicht langweilig wird und ich mittlerweile doch denke, dass ich hier eine Menge lernen kann. Man kann eben nicht alles haben.
Demnächst mehr aus dem Gil Hospital.