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Samstag, 24. März 2007

In 8 Tagen durch Korea

Das war sie nun, unsere Rundreise. Gone in no time. Es war zwar nur eine Woche, die wir für die Fahrt durch Korea hatten, aber die hatte es wirklich in sich. Natürlich war Jens nicht überrascht, dass es sehr, sehr viel gab, was ich ihm zeigen wollte und nochmal soviel, was ich mit ihm entdecken wollte. Schließlich wusste er ja, auf was er sich einließ, als er mich geheiratet hat. So war es auch keine Überraschung, dass unser Pensum zu viel für eine Woche war. Aber man lebt bekanntlich nur einmal und so jung kommen wir nicht mehr zusammen.

Freitag, 23. März 2007

Songnisan Nationalpark

Schon wieder hiken? Nein. Nur einen Buddha anschauen. Weder Zeit noch Lust noch geeignetes Schuhwerk bei einigen Teilnehmern machten es möglich: einfach nur zum Tempel laufen, Bilder machen und zurück. Das muss auch mal drin sein. Schließlich hatten wir den halben Tag ja schon wieder mit Geld abheben verdaddelt. Und unser Navi meldete noch 200km bis Seoul. Unser Hyundai Avante musste auch bis 18 Uhr wieder abgegeben sein. Soviele Gründe. Warum rechtfertige ich mich eigentlich?
Jedenfalls ein schöner Abschluss einer tollen Reise durch Korea. Vielzuviele Kilometer für nur acht Tage, aber was soll man machen. Jens und ich wissen es jetzt schon: wir kommen wieder! Am liebsten im Herbst, wenn das Laub der Bäume rot gefärbt ist.

Irrfahrt durch Daejeon

Neben Wandern war am Mittwoch unser wirkliches Tagesziel Geld abzuheben. Ich hatte ja schonmal erwähnt, dass es in Korea alles andere als einfach sein kann, Geld abzuheben, aber der Eintrag hat den Ernst der Lage noch nicht annähernd beschrieben.
Nach der stundenlangen Fahrt vom Wolchulsan National Park nach Daejeon sind wir dann leider nochmal eineinhalb Stunden durch die Stadt gekurvt auf der Suche nach einer Bank, bzw. einem ATM. Keine Ahnung, bei wievielen Banken wir gehalten haben, in wievielen Convenience Stores wir waren, nirgends wurden "foreign cards" akzeptiert.
Das koreanische Navi war auch keine große Hilfe. Am Ort der einprogrammierten Citybank (bei der wir sonst immer Geld bekommen) irgendwo im Vorort gab es nur eine Feld-Wald-und-Wiesen-Bank. Schade, schade. Irgendwann waren wir vier so verzweifelt, dass wir nur noch hysterisch lachen konnten. Armer Fahrer Jens.
Um elf haben wir die Segel gestrichen und ein Motel angesteuert. Nicht mehr groß geschaut und verglichen, einfach aufs Zimmer und komatös schlafen. War ja ein anstrengender Tag mit dem Hike durch den Nationalpark.
Und sollte man den nächsten Tag nicht so anfangen, wie der vorherige aufgehört hat? Klar, mit der Suche nach Geld. Welch ein Drama. Die ATMs am Bahnhof haben nichts hergegeben, obwohl mit Visa, Master und Maestro-Zeichen bekebt. Nicht mal mehr Geld für einen Kaffee. Aber den hätten wir sicher auch mit Kreditkarte bezahlen können.
Lange Rede, kurzer Sinn. Mein Tipp für Koreareisende. Keine Banken ansteuern, sondern Convenience Stores, bevorzugt 7Eleven. Auch wenn der Automat nicht vertrauenerweckend aussieht und keine Rede von "foreing cards" ist - es gibt Geld!

Donnerstag, 22. März 2007

Wolchulsan National Park

Wegen eines tollen Bildes im Lonely Planet haben wir uns für den Wolchulsan National Park entschieden. Die Auswahl an Parks in Korea ist ja überwältigend und es ist sicher lohnenswert, sich jeden anzuschauen. Aber irgendwie muss man seine Entscheidungen ja treffen.
Der kleinste Nationalpark Koreas, aber er hat es in sich.
Jens und ich haben ein Rundtrip über jene Brücke bis zum Cheonwangbong-Gipfel (809m) unternommen. Lediglich 6km. Aber 6km, die es in sich haben! Die Höhenmeter mögen auch nicht beeindrucken, aber man läuft nicht nur hoch, es geht ständig bergauf und bergab. Das Wandern ist eher ein Klettern und die Anstrengung ist enorm.
Aber es lohnt sich. Wenn man erstmal auf dem Gipfel steht, ist man schon mächtig stolz. Die Koreaner packen oben ihren Soju aus, Reis, Kimchi, Salat, Nudelsuppe - alles ist dabei. Leider mussten wir die Einladung zum Essen ablehnen, weil Hanna und Tristan am Auto warteten. Mit Pausen ein 4-Stunden-Trip.

Dienstag, 20. März 2007

Tongdosa Tempel

Auf Empfehlung von Michelles Eltern (Ja, wir haben tatsaechlich ihre Eltern besucht, wurden sehr herzlich empfangen und zum Essen eingeladen. Eine spannende Erfahrung fuer beide Seiten!) haben wir die Tempelanlage Tongdosa im Norden von Busan besucht.
Was waere uns entgangen! Es gibt die Haupttempelanlage mit Museum und in der Umgebung Dutzende weitere kleine Tempel, die alle "in Gebrauch" sind. Endlich mal alte Gebaeude, die nicht von den Japanern zerstoert wurden und in den 70ern wieder aufgebaut wurden. Welch einen Unterschied das macht! Dazu die besondere Atmosphaere durch die anwesenden Moenche. Von ueberall her hoert man Gesaenge, der Ort lebt.
Leider ist die Zeit immer knapp und das naechste Ziel weit entfernt. Mittlerweile kriegen wir es etwas besser hin, die Entfernungen nicht zu unterschaetzen.
Urspruenglich war Jeonju als Ziel vorgesehen, aber kein Plan uebersteht den ersten Feindkontakt (wie Jens sagen wuerde) - denn beim Lesen im LonelyPlanet findet man immer wieder interessante Ecken, wo man unbedingt hin muss. So sind wir "nur" bis Gwanju gefahren, von wo aus wir morgen den Wolchulsan National Park unsicher machen wollen. Irgendwann muss es ja mal klappen mit dem Wandern. Hoffentlich ist uns das Wetter wohlgesonnen.






Montag, 19. März 2007

Rueckkehr nach Gyeongju

Im Januar war ich mit Hanna schon in Gyeongju und wusste sofort: diese Ecke Koreas muss ich Jens zeigen, wenn er hier ist. Wir haetten uns keinen besseren Tag aussuchen koennen. Nach all dem Regen und Schnee hatten wir uns das auch verdient.
Tumuli Park, Anapji Pond, Bulguksa, Seokguram, Mount Namsan, mehr konnten wir wir nicht unterbringen. In dieser Gegend koennte man gut und gerne eine Woche verbringen und es gaebe immer noch viel zu entdecken. Aber wir immer auf Reisen muss man Prioritaeten setzen und Entscheidungen treffen. Die ersten drei Orte hatte ich schon gesehen, die Seokguramgrotte auf dem Berg und Wandern auf dem Mount Namsan waren neu fuer mich.
Ich koennte ohne weiteres 50 Bilder posten, so tolle Eindruecke gab es heute (was ein bisschen Sonnenschein doch immer wieder ausmacht!), aber auch hier gilt Beschraenken aufs Wesentliche. Please enjoy.

Sonntag, 18. März 2007

Zuerueck in den Winter

Bis Samstag mittag war der Winter zueruckgekehrt. In der Naehe von Samcheok in einem Tal liegt Hwanseongul, eine der groessten Kalksteinhoehlen in Asien. Lieber drin bleiben, bei Schnee und Regen im Wechsel.
Allein die Anreise war schon spektakulaer. Durch verschneite Landschaften, durch die Berge, ueber Paesse, durch Taeler, alles in winterliches Weiss getaucht.
Die obligatorischen Schulklassen waren zum Glueck schon auf dem Rueckweg, sodass wir nur auf dem Weg zur Grotte auf jedem Meter ein "Hello" entgegengeschmettert bekamen. Annyeonghaseyo zu entgegnen wird nach dem vierzigsten Mal doch recht anstrengend.
Ich stehe ja prinzipiell nicht ganz so sehr auf Hoehlen und Grotten, doch diese ist definitiv einen Besuch wert. Nicht zuletzt, weil das auf Dauer doch recht droege Ambiente in Korea gerne mal etwas aufgepeppt wird. Auf dem vorgegebenen Weg durch die Grotte ist der Weg mit Lichterketten in verschiedenen Farben gesaeumt und die verschiedenen Hoehlen haben lustige Namen wie "Palace of Dreams" oder "Demon's Claw". Nicht zu vergessen die "Bridge of Sins" nach deren Ueberqueren man alle seine Suenden losgeworden ist und den Rest des Lebens gluecklich leben kann.
Das Essen nach dem Abstieg war eigentlich auch sehr lecker - bis auf das kleine Missgeschick meinerseits, dass ich Magguksu bestellt hatte und sich das leider (mal wieder) als kalte Suppe herausstellte. Nicht nur kalt, sondern mit gekrushtem Eis (!) angereichert. Als waere es nicht schon kalt gewesen. Ich bin sicher, dass mich die nette Halmoni (Oma) darauf hingewiesen hat. Aber die doch sehr beschraenkten Sprachkenntnisse...

An der Kueste Richtung Sueden

Leider schon im Dunkeln, aber irgendwann muss man ja fahren. Ich kann mich auch damit troesten, dass wir eh nichts gesehen haetten, der Regen war unser staendiger Begleiter.
Die Nacht von Freitag auf Samstag verbrachten wir in Jeongdongjin, direkt am Meer. Ein Ort, in den vor allem Paerchen kommen. Topf auf Deckel.
Der Plan: ein Zimmer mit Balkon mieten und morgens den Sonnenaufgang ueber dem Meer sehen. Haha, fat chance! Aber immerhin das Zimmer konnten wir mieten. Und morgens um sechs waren auch tatsaechlich einige Paerchen am Strand, um wenigstens ein paar Fotos zu machen. Ach ja, fast haette ich es vergessen: mittlerweile hatte es zu schneien angefangen. Zurueck ins warme Bett und spaeter nochmal einen Versuch wagen.
Und wie koennte es anders sein, wenn wir reisen - um neun sah alles schon ganz anders aus. Naja, wenigstens ein bisschen.
Falls jemand fragen will, was die Schiffe auf dem Berg machen? Es sind wohl ein Luxushotel und ein Museum, but I could't care less. (Hanna, ich vermiss dich und unsere Sprueche!)

Seoraksan National Park

Es war ein kurzer Ausflug, aber nichtsdestotrotz mussten wir hin. Den ganzen Tag wandern war der Plan gewesen, aber das Wetter hat nicht mitgemacht. Wir wussten uns ja dennoch zu beschaeftigen. Die Tour an die Grenze und das Essen hat uns entschaedigt.
Kurz vor knapp noch schnell rein in den Park, mit dem Cable Car auf den Berg, drei Schritte tun und mit der letzten Bahn wieder zurueck. Nach 30 Metern war die Sicht dahin, nur noch Wolken um uns herum - und Schnee. Mental Note: hier nochmal im Herbst herkommen! Man beachte unser Outfit - almost korean.

Local Specialities

In den Motels gibt es kein Fruehstueck und auch nach einigen Monaten koennte ich mich am fruehen Morgen noch nicht wirklich mit Kimchi und Algensuppe anfreunden. Fruehestens ab elf. Und auf dem Land ist die Starbucks- und Pascucci-Dichte nicht mehr so hoch wie in Seoul, bzw. eher nonexistent. Also gibt es kalten Milchkaffee aus dem Becher, Joghurtdrinks und Apfel. Das Mittagessen muss dann aber schon was koennen.
Diesmal folgten wir (tatsaechlich zum ersten Mal) einer Restaurantempfehlung des LonelyPlanet. Man muss ja auch immer bedenken, dass dieser 2004 rauskam, die Infos koennen also gerne schon vier Jahre alt sein. Dieser Tage ist eine neue Auflage rausgekommen. Leider nicht unser Begleiter. Aber das Restaurant Ieodo in Sokcho war an Ort und Stelle, die Speisekarte hatte sich auch nicht geaendert und wir haben uns beim Essen eigentlich gar nicht unterhalten, so lecker war es.
Ojingeo Sundae (Squid Sundae) und Ojingodeopbab (Squid Rice). Ersteres ist Tintenfisch gefuellt mit Nudeln, Tofu, Zwiebeln, Karotten, Algen und Kraeutern, danach aufgeschnitten und in Ei angebraten. Der Tintenfischreis kam mit Zucchini, Karotten, Kim (Algenblaettern) und Sesam in einer scharfleckeren Gochujang-Sauce. Lecker, lecker, lecker.
Und wie koennte es anders sein, wenn man mit dem Planet unterwegs ist - wir waren fast fertig, da kamen die naechsten Auslaender rein, Bayern. Und wir dachten den ganzen Tag, dass um diese Jahreszeit sicher niemand ausser uns hier aufschlaegt. Jaja, die Deutschen, immer ein exklusiven Feeling haben muessen...

Grenze und Blick in den Norden

Bevor wir am Freitag in den Seoraksan Nationalpark zum Wandern fahren wollten, gab es da so einen kleinen Hinweis im Lonely Planet: Unification Observatory. Direkt an der DMZ (Demilitarisierte Zone). Keine weiteren Hinweise, keine Beschreibung. Aber wozu hat man schon ein Auto? Nichts wie hin, gerade wo ich die offizielle Tour in die DMZ gestrichen hatte. Und sowas ist ja auch genau das richtige fuer Jens.
In Seoul waren wir noch bei strahlendem Sonnenschein gestartet, an der Ostkueste war das grundlegend anders. Regen, Wolken, Regen. Aber wen sollte das abhalten.
Die Fahrt fuehrte uns an der Kueste entlang. Doch jedesmal, wenn Strand in Sicht war - Stacheldraht. Von ueberall an den Strand kommen? Fehlanzeige. Der "Feind" im Norden ist zu praesent. Zum Glueck haben wir nochmal kurz an einem Informationcenter gehalten. Was eher aussah, wie ein Souveniershop und die letzte Toilette vor der Grenze, stellte sich als Anmeldung fuer die weitere Fahrt heraus. Nur nach Registrierung und 7000 Won gab es den Passierschein. Mit genauer Abfahrtszeit. Am Kontrollpunkt waeren wir sonst wohl wieder zurueckgefahren, weil wir nichts verstanden haetten. Englisch? Aber nein.
Hat sich die Fahrt gelohnt? Ein definitives Ja. Ein kleines Museum mit Basisinformationen ueber Land, Leute und Wirtschaft von Nordkorea und Betonung der Gemeinsamkeiten, bzw. dem Bestreben, wieder ein Land zu werden. "The Road to Unification" - wahrscheinlich aus Tagen der Sunshine-Policy, die bisher ja noch nicht so ganz gefruchtet hat. Eine Aussichtsplatform mit hundert Fernglaesern fuer eine Blick nach "drueben", Souveniers aus dem Norden und ein ziemlich neuer Transitbahnhof und -autobahn, von wo man in den Norden zum Wandern fahren kann. Als wir dort waren, sind auch tatsaechlich mehrere Busladungen Suedkoreaner losgefahren. Es scheint wohl auch in diesen Tagen moeglich zu sein. Die Atmosphaere generell - eine tolle Tour!

Donnerstag, 15. März 2007

Einmal quer durchs Land

Meine lieben Leser,
auch von unterwegs moechte ich euch die fast taeglichen Berichte nicht vorenthalten. Keine Kosten und Muehen zu viel, kein Weg zu weit, kein Berg zu hoch, keine Nacht zu kurz, um nicht doch noch neue Eindruecke zu posten. Na, schreit das nicht quasi nach einem Kommentar im Gegenzug... ;-)

Im Lonely Planet sieht es aus wie ein Katzensprung - von Incheon bis an die Ostkueste. Wir haben dann doch (mit Pause) gut sechs Stunden gebraucht. Je weiter wir nach Nordosten kamen, desto duenner besiedelt wurde die Gegend. Irgendwo muss Seoul ja auch aufhoeren. Aber sofort wird klar, warum viele Gebiete ein ernsthaftes Bevoelkerungsproblem haben. Was soll man auch tun ausser Gemuese anbauen oder Autos reparieren? Ich wuerde auch eher gestern als morgen umziehen.

Gelandet sind wir nach kurviger Fahrt in Sokcho, direkt am Ostmeer. Weitere Vorhaben sind auf morgen verschoben worden. Alles, was noch moeglich war - Essen gehen.

Auf meiner To-Do-Liste stand ja schon seit Wochen der Punkt "rohen Fisch am Meer essen". Gesagt, getan. Die Fischplatte konnte sich sehen lassen - beide Fische haben literally noch gelebt, als sie huebsch aufgeschnitten als Sashimi an unseren Tisch kamen! Die Kiemen haben sich noch geoeffnet und geschlossen - es hat gerade noch gefehlt, dass die beiden uns zugeblinzelt haetten. Jens war total hin und weg. Natuerlich hab ich gleich ein Filmchen gedreht, Beweise mussten her. Ok, wir werden jetzt nicht in die Thematik Tiere, Essen und artgerechte Zubereitung einsteigen. Was ich zweifelfrei festhalten kann: der Fisch war frisch!
Dazu die unterschiedlichsten Muscheln und Mengen von Sidedishes, dass wir zu zweit total ueberfordert waren. Ein Feast!


Please meet Hyundai Avante!



Es hat tatsächlich geklappt. Auch wenn die Wegbeschreibung zu Kumhorent etwas zu wünschen übrig ließ und wir sicherlich die ersten Westerner im Incheon Branch waren - die kleinen Hindernisse sind gemeistert, der Vertrag unterschrieben (Kleingedrucktes natürlich auf Koreanisch) und das Navi, das nur koreanisch kann, ist installiert.
Es ist ein Hyndai Avante Automatik und wir sind begeistert. Nun ja, es ist eben ein Auto. Aber es hat jetzt schon frühlingshafte 10 Grad, die Sonne scheint und es juckt in den Füßen.
Gestartet wird in Richtung Ostküste zum Ostmeer (never ever say Japanese Sea!), wo wir morgen hoffentlich im Seoraksan Nationalpark wandern. Aber man weiß ja nie, was kommt.

Um es mit Thomas D. zu sagen...

"...also hau ich ab mit Sack und Pack und pack ein paar
meiner sieben Sachen, die ich hab und da wird mir klar,
es fehlt immer ein Stück, doch ich mach mir nichts draus
setz den Wagen zurück und bin raus...

...fahr gerade überland, es wird gerade mal hell

spüre Freiheit in mir, denk das ging aber schnell,
bleibe besser im Hier, denn es gibt kein zurück
und alles was ich brauch ist mein Auto und Glück..."

Sonntag, 4. März 2007

Und die andere Seite


Nachdem ich gestern über meine Erlebnisse im Kyobo-Bookstore geschrieben habe, ist es nun wirklich dringend an der Zeit, auch diesen Blogeintrag zu verfassen. Eigentlich seit ich hier bin, will ich darüber schreiben: Hilfsbereitschaft in Korea.
Ich kann mich nicht erinnern, ob mir schon jemals so viel Hilfsbereitschaft entgegengebracht wurde. Und das so oft von gänzlich Fremden. Natürlich falle ich hier auf wie ein bunter Hund und es ist für jeden sichtbar, dass ich nicht von hier bin. Doch würde das selbe auch einem Koreaner in Deutschland begegnen. Ich fürchte nicht.
Ok, es gibt auch andere Erlebnisse, von denen gerade Amerikaner berichten. In der U-Bahn beschimpft werden und ähnliches. Aber das sind keine Erfahrungen, die ich gemacht habe.
Ich muss nur eine Minute an der U-Bahn-Haltestelle stehen und mich auf meinem Plan orientieren, schon fragt mich jemand, ob er mir helfen könne. Ja, ich mag es auch, angesprochen zu werden. Ich bin nicht prinzipiell genervt.
Dabei muss es die meisten Koreaner Überwindung kosten, Fremde anzusprechen. Es gibt einfach wesentlich weniger als in anderen Ländern, viele Koreaner waren noch nie im Ausland und obwohl alle mehrere Jahre Englisch lernen, hapert es ein bisschen mit der Praxis.
Man bedenke auch, dass Koreaner eigentlich keine Zeit haben, immer in Eile, immer beschäftigt. Und doch halten sie an, um mir den Weg zu zeigen. Nicht nur das, auch bis zum Gleis mitlaufen ist keine Seltenheit. Einmal sind Hanna und ich mit unseren Trolleys tatsächlich an der falschen Haltestelle ausgestiegen und schauten auf den Stadtplan. Prompt wurden uns die Trolleys abgenommen, ein Taxi organisiert (ist ja billiger, als nochmal U-Bahn zu fahren) und dem Taxifahrer erklärt, wo wir hinwollten. Manchmal bin ich dann wirklich perplex.
Oder wenn man am Anfang noch etwas zögerlich ist, dem Ober im Restaurant "Yogiyo" (Hier) zuzurufen, um auf sich aufmerksam zu machen. Andere Gäste achten meistens darauf, dass man nicht ignoriert wird.
Ein Busfahrer wollte uns einmal nicht in seinen Bus steigen lassen, weil ein anderer wesentlich schneller zu uns fuhr. Er hat sogar einen anderen Fahrgast zu Hilfe gerufen, damit wir nicht einen Umweg von einer Stunden machen würden. Leider wollten wir an diesem Tag wirklich diesen Bus nehmen, um die Gegend zu erkunden. Aber wie das erklären?
So gibt es unzählige Beispiele und sicher nochmal so viele, wo ich gar nicht registriert habe, dass mir geholfen wurde.
Ich fühle mich hier gut aufgehoben. Und werde mich bemühen, zurück in Deutschland mehr darauf zu achten, und einfach öfter mal zu fragen, ob ich jemandem helfen kann.

Dienstag, 13. Februar 2007

Jetzt nur noch sechs Wochen...

... und noch so viel zu tun.
Hanna und ich haben vor zwei Wochen vorsichtshalber schonmal eine Liste an Dingen erstellt, die wir noch unternehmen wollen oder Essen, das wir noch probieren wollen, bevor es wieder nach Hause geht.
Hier ist meine Liste in zufälliger Reihenfolge mit ein paar zusätzlichen Kommentaren (stellt auch auf einen langen Eintrag ein...). Immerhin haben wir in der Zwischenzeit schon einiges geschafft.
  1. Ausflug in die DMZ (Demilitarisierte Zone an der Grenze zu Nordkorea) - kalter Krieg im Winter. Gerne, wenn es etwas wärmer ist. Also im März. - Nachdem ich mit einigen Leuten gesprochen habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich das wirklich noch will. Informationstechnisch soll es etwas mau sein und eine DMZ an sich ist ja auch nichts Neues mehr. Siehe Vietnam. UPDATE: Unser Trip an die DMZ, auf eigene Faust, ohne große Gruppe.
  2. Jimjilbang besuchen (wörtlich: Massage-Raum) - siehe hoffentlich baldigen Blogeintrag (jaja, immer diese leeren Versprechungen...)
  3. Bulgogi 불고기 essen - der Koreaklassiker für viele schlechthin. Ging bisher aber irgendwie unter. Geschafft und für gut befunden.
  4. Shinsollo 신선로 essen - ein Gericht für Festtage. Mal sehen, ob wir das überhaupt irgendwo kriegen. Allein der englische Name ist schon toll: fancy hot pot! Schade, das hat nicht mehr geklappt. Nächstes Mal.
  5. jemandem in der U-Bahn was abkaufen - mindestens einmal auf jeder Fahrt nach Seoul kommt ein(e) recht gut gekleidete(r) Mann/Frau ins Abteil und fängt an, ziemlich lautstark irgendein Produkt anzupreisen. Nach persönlicher Erfahrung sind besonders Taschenlampen, Lupen für den U-Bahn-Plan, Handschuhe, Schuhcreme und elektrische Rasierer beliebt. Aber es gibt hin und wieder auch mal Flip-Fotoalben oder Bruchbänder! Vieles für 1000 Won (knapp 1€). Seltsam. Noch seltsamer aber, dass jedesmal etwas verkauft wird. Ob aus wirklichem Interesse oder Mitleid konnte ich bisher noch nicht eruieren) Was ich kaufen werde? Keine Ahnung, ich warte auf eine spontane Eingebung. 18.Februar - Es ist vollbracht: gestern habe ich für 1000 Won eine zusammenklappbare Minifusselbürste erstanden! Wer sich fragt, was das wohl soll, muss nur einen Blick auf unsere Klamotten werfen.
  6. Wandern in mindestens einem Nationalpark - auf jeden Fall wieder!
  7. im Love-Motel übernachten - mind you - keine Puff-Absteige, sondern ein Ort für traute Zweisamkeit für Pärchen jeden Alters. Oder einfach so zum Übernachten, auch allein. Privatssphäre in Korea ist nicht so leicht zu finden wie in Deutschland, die Freundin/Freund wird den Eltern erst mit festen Heiratsabsichten vorgestellt, auch die Eltern brauchen mal Ruhe - da kommt so ein Love-Motel gerade richtig. Unser Favorit wäre eins mit Bett in Herzform. Mal sehen, was sich machen lässt. Ja - es gibt sicher auch ein paar Zimmer in den Love-Motels, wo andere Dinge stattfinden. Update: Blogeintrag Love Motel
  8. Island-hopping in the West-Sea - so übernommen aus dem LonelyPlanet. Da wir ja schon bei Incheon wohnen, müssen wir doch auch die Inseln in der Gegend erkunden. Bisher war es uns aber echt zu kalt. Auch ein Punkt für den März. Update: Am 28.02. war es unglaublich warm und so sind wir nach dem Immigration Office kurz noch nach Wolmido an die Strandpromenade gefahren. Und warum nicht kurz noch mit der Fähre rüber nach Yeongjongdo fahren? Gesagt, getan. 15 Minuten rüber, eine Runde über den Fischmarkt und zurück. Nur ein Kurztrip. Beim nächsten Mal stehen noch die Strände im Westen der Insel an.
  9. mehr Streetfood probieren - Jens, du wirst gebraucht! Ich kann probieren, Du aufessen ;-) Wie könnte ich diesen Punkt wirklich abhaken?
  10. Kimchi-Kochkurs (endlich!)
  11. Geschenke kaufen - ein paar Mitbringsel müssen schon sein Einiges ist schon im Koffer, anderes nicht. Ich verspreche nichts...
  12. Koreanische Gewürze und Pasten zum Nachkochen zu Hause kaufen - wie werden wir das Essen vermissen, wenn wir erst wieder zu Hause sind. Also selbst machen. Man kann ja nicht immer ins feindliche Düsseldorf fahren... Meine Ausstattung ist gekauft: Gochujang-Paste, Doenjang-Paste, Gochupulver (Chilipulver), Algen für den Fond - man kriegt ja alles auch in Deutschland. Und last but not least: eine eckige Pfanne für Omlette zum Kimbab und Sushi machen. Jo!
  13. Hangover-Suppe essen 해장국 - haben wir sowas auch?
  14. im DVD-Bang die Rache-Trilogie von Park Chan-Wook zu Ende gucken (Regisseur von "Old Boy", dem bekanntesten koreanischen Film im Ausland, weil Großer Preis der Jury auf dem Filmffestival in Cannes 2004. Den ersten und lezten Teil "Sympathy for Mr. Vengeance und Sympathy for Lady Vengeance haben wir mitterweile gehehen, jetzt fehlt mir noch der Klassiker "Old Boy".) Update: 22.März. Was wäre ein Aufenthalt in Korea ohne DVD-Bang. Das musste Jens gesehen haben. So kann ich auch "Old Boy" von der Liste streichen.
  15. zu Sortino´s gehen und eine richtige Pizza essen - es muss auch mal etwas anderes als koreanisches Essen sein! Einmal thailändisch und einmal italienisch in fast vier Monaten muss drin sein. 18.Februar: Gestern waren Tristan, Hanna und ich bei Sortino´s. Wir mussten warten, weil wir keinen Tisch reserviert hatten, aber es hat sich gelohnt! Carpaccio, Linguine mit Seafood und eine Pizza mit Rucola, Mozarella und Parmaschinken - alles mit gutem Olivenöl, dazu guter Wein - ein Traum! Ich weiß nicht, wann ich italienisches Essen zum letzten Mal so genossen habe! Wir haben es krachen lassen.
  16. jenes Bild in der Galerie von Kim Jom Som in Insadong kaufen - lasst euch zu Hause überraschen. Ich finde es wunderschön! Mit Wallace´s Worten: "A valuable addition to our modern lifestyle."
  17. Rohen Fisch 회 am Meer essen - Update: hier und hier.
  18. auf den Noryangjin-Fischmarkt gehen und noch mehr rohen Fisch essen
  19. Kujolpan 구절판 essen - nochmal ein traditioneller Klassiker Hm, auch das habe ich leider nicht mehr gegessen. Aber man muss ja noch Pläne haben.
  20. 1Paar korean-style Schuhe kaufen - ich sage es offen und ehrlich: ich mag koreanische Mode nicht. Ja, es liegt auch daran, dass ich nicht reinpasse (theoretisch gibt es bei den Größen auch L und nicht nur (kleines) M, nur nicht dort, wo wir bisher waren). Aber fiesester 80er Jahre-Style in der hübschen Farbkombination von kobaltblau, mausgrau und senfgelb muss für mich einfach nicht sein. 24 Stunden am Tag in High-heels rumlaufen (quasi ein Muss für die koreansiche Frau jenseits des Schulalters) ist auch nicht. Aber ein Paar - von mir aus. Schwierig nur, dass es die meisten Schuhe nur in S, M und L gibt. Das sind bei uns 37, 38, 39. Schade, ich habe 36. Hanna hat leider 41. Ganz blöd gelaufen für uns. Ich frage mich, was die koreanische nicht-Durchschnittsfrau macht, die es auch recht häufig gibt. Aber manchmal findet man auch Schuhe in 230 (36), dann aber in Gold-, Grün- oder Blauglitzer, mit viel Schleifchen und Gedönsrat. Schon beim Schreiben sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare. Aber man gönnt sich ja sonst nix. Möglicherweise wird das der Punkt sein, der auf der Liste bleibt. 27. Februar: Ich habe ein Paar Schuhe erstanden. Wo sonst als in der Bupyeong-Underground-Shoppingmall! Sogar Handmade und nicht aus China. Ja, ich glaube das. Hatte schließlich tatkräftige Unterstützung von Jin-Hi, die alles auf koreanisch gemanagt hat. Manchmal ist das schon sehr schön, sich etwas zurücklegen zu können. Und wie sehen sie aus? Lasst euch überraschen.
  21. Koreanische Popmusik kaufen - muss ich ja von überall her mitbringen. Ich hab auch schon ein paar Lieder im Ohr. Muss wohl mal in einen Laden gehen und sie jemandem vorsingen. Update: Dank Tristan muss nichts mehr gekauft werden: 100 Lieder aus den akutellen Charts inklusive meiner Lieblingslieder! Danke, danke, danke!
  22. auf den letzten Metern noch einen koreanischen Klingelton fürs Handy kaufen - almost korean. Oh nein, es klappt nicht! Mein Handy ist zu alt und abgerockt, kommt nicht ins Internet und kann somit keinen Klingelton empfangen. Ich bin untröstlich.
  23. Eine Brille kaufen - Brillen sollen hier ziemlich günstig sein und da ich in Deutschland immer ein halbes Vermögen für eine Brille (die Gläser sind es ja) hinblättern muss, wäre das hier definitiv einen Versuch wert. Update: Siehe Blogeintrag Brille

Freitag, 19. Januar 2007

Ausflug nach Gyeongju

Der Ausflug ist nun auch schon wieder einige Tage her, aber ich wurde schon wieder durch eine heftige Erkältung aus dem Konzept gebracht, so muss ich mich jetzt mal an die Realisierung all meiner Blog-Ideen machen.
Reisen ist in Korea eine feine Sache: Das Land ist übersichtlich groß, jeder Ort lässt sich in einigen Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Und die sind billig. Knapp eine Stunde U-Bahnfahrt nach Seoul kostet ca. 1200 Won (1€), die Busfahrkarte zum Krankenhaus gibts schon für 900 Won (ca.75Cent) und die vierstündige Fahrt nach Gyeongju kostet uns gerade mal 17500 Won (15€).
Warum eigentlich dorthin? Gyeongju war die Hauptstadt des alten Silla-Königreiches und ist wegen der vielen Sehenswürdigkeiten eine Touristenattraktion nicht nur für Ausländer.
Die Fahrt im (wie könnte es anders sein - überheizten) Bus führt durch Seouls zahlreiche Hochhaussiedlungen, die kein Ende zu nehmen scheinen, durch einen Nationalpark, denn auch Seoul hat ein Ende - ja, und dann muss ich irgendwann eingeschlafen sein.
Das Hostel, das ich uns ausgesucht hatte, hat zumindest optisch einiges zu bieten. Mehrere Gebäude um einen schönen Innenhof gruppiert im traditionellen Stil. Übernachtet wird klassischerweise auf dem Boden mit Futons auf Holzboden mit "Ondol" (Fußbodenheizung). Natürlich muss das ausprobiert werden, auch wenn die Aussicht, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mitten in der der Nacht zum Pinkeln nach draußen aufs Häuschen ohne Heizung zu gehen nicht so attraktiv erscheint - das Zimmer ist gebucht und Gyeongju erwartet uns.

Besonders beeindruckend sind die "Tumulis", Hügelgräber, die überall zu sehen sind. Irgendwie eine schöne Art, bestattet zu werden. Je nach Wichtigkeit verschieden groß, aber auch in klein nicht zu verachten. Im Tumuli-Park geht zwar fast die Sonne unter, Hanna und ich sind aber dennoch von der schönen, ruhigen Atmosphäre begeistert und überlegen schon, wer uns denn später ein Tumulus bauen könnte (selbst ist nicht).
Vielleicht ist es aber auch die Tatsache, dass die Tumulis Originale sind, die uns beeindruckt. Schließlich sind Originale in Korea nicht mehr leicht zu finden.
Egal welche Sehenswürdigkeit man sich anschaut, man wird früher oder später darauf hingewiesen, dass das leider eine Kopie ist, wiederaufgebaut, meistens in den 70ern. Hm, doch nicht wirklich alt. Korea hat keine glückliche Geschichte gehabt und wenn man ein wenig verallgemeinert kann man sagen, dass alles geschichtsträchtige von den Japanern entweder komplett zerstört oder geklaut wurde. Japanischen Touristen ist diese Tatsache oft neu, denn Geschichtsaufarbeitung, wie man sie bei uns kennt, scheint doch eine besonders deutsche Angelegenheit zu sein.
So ist die Tempelanlage in Bulguksa (drittes Bild) zwar sehr schön anzuschauen, es bleibt aber irgendwie ein komischer Nachgeschmack. Trotzdem gehört Bulguksa zum Unesco Weltkulturerbe.
In Erinnerung werden uns aber nicht nur die Sehenswürdigkeiten bleiben, sonder auch unsere beiden Nächte im Hostel. Wir sind uns immer noch nicht ganz sicher, aber wir haben wohl eine kaputte Fußbodenheizung gehabt. Das Zimmer war eine Eiskammer, die Luft zum Schneiden kalt und der Boden nicht wirklich warm. In der zweiten Nacht haben wir sicherheitshalber etwas mehr Soju getrunken, bevor wir ins Bett gegangen sind, aber es waren wohl die zusätzlichen Decken, die uns ganz gut haben schlafen lassen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das wirklich "Ondol-heating" war. Buchen wir es unter "Erfahrung" ab.